Zwei Jahre nach der Gründung der PaludiAllianz und ein Jahr nach dem Spatenstich zur Wiedervernässung kamen die Unternehmensvertreter*innen der Allianz der Pioniere gemeinsam mit den Verbundpartnern der toMOORow-Initiative – der Umweltstiftung Michael Otto, der Michael Succow Stiftung sowie der Universität Greifswald (beide Partner im Greifswald Moor Centrum) – im Sernitz-Moor bei Angermünde zusammen. Anschließend führte das Treffen zum Allianzpartner LEIPA nach Schwedt/Oder. Das Familienunternehmen LEIPA ist Europas größter Hersteller von Papier auf Basis von 100 Prozent Recyclingfasern und engagiert sich als Partner der toMOORow-Initiative für die Entwicklung und Nutzung von Paludibiomasse.
Erneut zeigte sich, dass erfolgreicher Moorklimaschutz nur im Zusammenspiel aller Akteure gelingen kann. Die Wiedervernässung schafft die ökologische Grundlage, politische Instrumente setzen die notwendigen Rahmenbedingungen und Unternehmen entwickeln daraus wirtschaftliche Perspektiven.
Im Sernitz-Moor sind die Fortschritte inzwischen sichtbar. Die Bauarbeiten zur Wiedervernässung laufen auf Hochtouren: Gräben werden verschlossen, Wasserstände angehoben und neue flache Senken entstehen.
Damit entsteht die Grundlage für wirksamen Klimaschutz. Intakte Moore speichern große Mengen Kohlenstoff und verhindern die Freisetzung von Treibhausgasen, die durch die Entwässerung von Moorböden entstehen. Gleichzeitig verbessern sie den Landschaftswasserhaushalt und schaffen wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Die Wiedervernässung ist damit weit mehr als eine Naturschutzmaßnahme – sie bildet die Basis für eine neue Form der Landnutzung: die Paludikultur, also die Bewirtschaftung nasser Moore. Gemeinsam mit lokalen Landbewirtschaftenden wird eine nachhaltige Nutzung durch Paludikultur vorbereitet, z. B. durch die Beweidung durch Wasserbüffel.

Ein wichtiger Schritt für die Skalierung solcher Projekte ist die neue Palu-Richtlinie des Bundesumweltministeriums (BMUKN). Mit einem Fördervolumen von 1,75 Milliarden Euro bis Ende 2029 stellt sie erstmals umfangreiche Mittel für Wiedervernässung und Paludikultur bereit und gilt als Meilenstein für den Moorklimaschutz in Deutschland. Besonders bedeutsam ist, dass die Förderung über reine Wiedervernässungsmaßnahmen hinausgeht. Unterstützt werden auch die Umstellung der Bewirtschaftung, die Entwicklung neuer Wertschöpfungsketten und die damit verbundenen wirtschaftlichen Herausforderungen für Flächeneigentümer*innen, Landwirt*innen und Unternehmen.
Damit die Richtlinie jedoch ihre volle Wirkung entfalten kann, braucht es eine zügige und praxistaugliche Umsetzung sowie ergänzende Marktanreize. Nur so können die notwendigen Investitionen ausgelöst und langfristige Absatzmärkte für Paludi-Rohstoffe geschaffen werden.

Wie diese Zukunft aussehen kann, wurde beim anschließenden Roundtable mit den Partnern der Allianz der Pioniere bei LEIPA in Schwedt/Oder diskutiert. Die Unternehmen der Allianz arbeiten daran, Biomasse aus wiedervernässten Mooren für verschiedene industrielle Anwendungen nutzbar zu machen – von Verpackungslösungen über Papierprodukte bis hin zu weiteren biobasierten Materialien.
Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen und Chancen beim Aufbau neuer Wertschöpfungsketten. Klar wurde: Für die erfolgreiche Marktentwicklung braucht es tragfähige Geschäftsmodelle, verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine stärkere Anerkennung von Paludi-Biomasse als Beitrag zu unternehmerischen Nachhaltigkeits- und Klimazielen.

Gemeinsam mit Partner*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Landwirtschaft und Zivilgesellschaft arbeitet toMOORow daran, dieses Zusammenspiel weiter voranzubringen. Denn nur wenn Ökologie, Politik und Ökonomie zusammenwirken, lassen sich Moore dauerhaft schützen und gleichzeitig neue nachhaltige Wertschöpfungsmöglichkeiten erschließen.
WeitereInformationen: https://tomoorow.org/