Diese Frage stand im Mittelpunkt unserer Veranstaltung „Zukunft lernen – mehr als ein Fach“, die im Rahmen der Hamburg Sustainability Week und der Hamburger Stiftungstage stattfand.
Vertreter*innen aus Schule, Schülerschaft, Wissenschaft, Verwaltung, außerschulischer Bildung, NGOs und Zivilgesellschaft diskutierten gemeinsam darüber, welche Voraussetzungen es braucht, damit Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) nicht länger von Einzelengagement abhängt, sondern selbstverständlicher Bestandteil von Schulen wird. Den Auftakt bildeten fünf Impulsbeiträge aus Wissenschaft, Schulpraxis, Verwaltung, außerschulischer Bildung und der Perspektive einer Schülerin.

Gleich zu Beginn brachte die Schülerin Lucia Quast auf den Punkt, warum das Thema so relevant ist:
„Nachhaltigkeit ist die Frage, wie wir morgen leben werden."
Gerade deshalb müssen Schulen – der Ort, an dem Kinder und Jugendliche nach ihrem Zuhause die meiste Zeit verbringen – Orientierung geben und junge Menschen dazu befähigen, gesellschaftliche Herausforderungen zu verstehen und mitzugestalten. Gleichzeitig wurde kritisiert, dass Nachhaltigkeit häufig vor allem als Krisenthema vermittelt werde. Stattdessen braucht es jedoch mehr Zuversicht und einen stärkeren Fokus auf Handlungsmöglichkeiten.

Ein zentrales Ergebnis der Diskussion war: Gute Projekte, Initiativen und Unterrichtsmaterialien gibt es bereits. Entscheidend ist nun, erfolgreiche Ansätze dauerhaft und systematisch im Bildungssystem zu verankern.
Klima- und Naturschutz dürfen nicht vom Engagement einzelner Lehrkräfte oder Schülerinnen und Schüler abhängen. Sie müssen sich in Bildungsplänen, der Lehrkräfteaus- und -fortbildung, der Schulentwicklung, den Schulgebäuden und in langfristigen Kooperationen mit außerschulischen Partnern wiederfinden.

Viele Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nicht entlang klassischer Unterrichtsfächer lösen. Umso wichtiger ist es, Schülerinnen und Schülern vernetztes Denken aufzuzeigen.
„Schule funktioniert noch immer im Fächerdenken, viel zu wenig interdisziplinär. Die Verknüpfungen und Verbindungen werden zu wenig aufgebaut und genutzt."
Diskutiert wurde deshalb, Bildung für nachhaltige Entwicklung konsequent als Querschnittsaufgabe in allen Fächern zu verankern und fachübergreifendes Lernen zu stärken. Gleichzeitig müsse bereits die Ausbildung von Lehrkräften interdisziplinärer werden.
„Die Ausbildung von Lehrkräften ist zu fachbezogen, das interdisziplinäre Denken muss mehr in den Fokus rücken."

Auch die Zusammenarbeit über die Schule hinaus spielte eine wichtige Rolle. Außerschulische Lernorte und -angebote ergänzen den Unterricht um praxisnahe Erfahrungen und machen Nachhaltigkeit unmittelbar erlebbar. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Kooperationen einfacher werden müssen und Nachhaltigkeit stärker in den Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler stattfinden sollte.
Dazu gehören auch grüne Lernorte direkt an Schulen, die Umweltbildung dauerhaft und niedrigschwellig ermöglichen und mehr Schülerinnen und Schüler erreichen – unabhängig davon, ob externe Angebote wahrgenommen werden können. Ebenso hoben die Teilnehmenden die bislang oft unterschätzte Rolle der Eltern hervor.

Diskutiert wurde auch die Frage, wie vorhandene Ressourcen und Angebote besser genutzt werden können. Einigkeit bestand darin, dass finanzielle und personelle Ressourcen im Bildungsbereich immer zu begrenzt sein werden. Es gelte nun vielmehr, vorhandene Strukturen klüger zu nutzen und stärker miteinander zu vernetzen.
Hamburg verfügt bereits über zahlreiche Netzwerke, Unterrichtsmaterialien und Unterstützungsangebote – beispielsweise durch das Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen (LI) sowie den Masterplan BNE. Dennoch sind viele davon an Schulen noch zu wenig bekannt.
„Bezüglich der Ressourcen müssen wir in der heutigen Zeit alles zusammenwerfen, was wir haben."
Statt immer neue Projekte zu entwickeln, brauche es Förderung und Verstetigung wirksamer Initiativen, mehr Austausch, bessere Sichtbarkeit bestehender Angebote und einen stärkeren Schulterschluss zwischen Schulen, Verwaltung, Wissenschaft, außerschulischen Bildungsakteuren und Stiftungen. So könnten Synergien entstehen und erfolgreiche Ansätze schneller in die Breite getragen werden.

Einigkeit bestand darüber, dass nachhaltige Schulentwicklung Zeit braucht – gleichzeitig aber auch Entschlossenheit.
„Brauchen wir mehr Geduld oder muss es schneller gehen?"
Es wurde dafür geworben, Transformation positiv zu denken und mutig anzufangen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass langfristige Veränderungen nur gelingen können, wenn Bildung für nachhaltige Entwicklung politisch gewollt und institutionell verankert wird.
„Es braucht politischen Willen und mehr Rückenwind sowie Schulterschluss."
Dazu gehört auch, Schulleitungen frühzeitig einzubinden und Nachhaltigkeit als strategische Aufgabe der gesamten Schule zu verstehen.
„BNE muss auf die Schulleiterebene gehoben und in die Wirkungsanalyse von Schulen einbezogen werden."
Die Veranstaltung hat gezeigt: Es mangelt nicht an guten Ideen oder engagierten Menschen. Vielmehr braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, eine stärker interdisziplinäre Lehrkräftebildung, eine stärkere Vernetzung und den Schulterschluss aller Beteiligten, aber vor allem den politischen Willen, bestehende Lösungen gemeinsam weiterzuentwickeln.
Der Whole School Approach bietet dafür den passenden Rahmen: Er versteht Nachhaltigkeit als Leitprinzip für die gesamte Schule und verbindet Unterricht, Schulentwicklung und Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern zu einem ganzheitlichen Ansatz.
Denn Klima- und Naturschutz sind kein zusätzliches Unterrichtsthema, sondern eine Zukunftsaufgabe, die Schule als Ganzes betrifft. Nur wenn Nachhaltigkeit selbstverständlich zum Schulalltag gehört, können junge Menschen Kompetenzen entwickeln, um gesellschaftlichen Wandel verantwortungsvoll mitzugestalten.
































